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03.07

Haag | Mass für Mass - Premiere



Der Theatersommer Haag präsentierte heuer die Komödie "Mass für Mass" ganz frei nach William Shakespeare in der Bearbeitung von Kaja Dymnicki, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnete, und Alexander Pschill, der auch Regie führte mit Livemusik der "The Magic Musik Makers".

Bevor man zu Beginn seinen Sitzplatz einnimmt, entsteht ob der Bühnenkulisse der Eindruck, man befände sich in einem Saloon im Wilden Westen. Doch eigentlich spielt das Ganze in dem sittenverfallenden Vienna. Das Original von William Shakespeare wurde vermutlich 1603/04 (lt. Wikipedia) verfasst. Einige Theaterwissenschaftler vermuten ja auch, dass Shakespeare seinerzeit annahm, dass Vienna wohl ähnlich Ravenna in Italien läge. Dies würde auch das Höfische dieser ursprünglich dramatischen Tragödie erklären. Doch es wäre nicht Haag, wenn das Leading Team rund um Intendant Christian Dolezal und dem Regie-Duo Alexander Pschill und Kaja Dymnicki, dem einen eigenen Stempel aufdrücken. Das Elisabethanische Theater bleibt zum Teil sprachlich erhalten und wird mit deftigem Wiener Dialekt vermengt. Aus dem Herzog wird kurzerhand der Bürgermeister von Wien. Die Haager Inszenierung vereint Elemente von Tragödie, Romantik, Slapstick und Sex and Crime spielerisch zu einem harmonischen Ganzen aus einem Guss und geizt auch nicht mit deftigen Pointen. Und wer will, kann auch zwischen den Zeilen so manche Gesellschaftskritik an der politischen Elite oder am Frauenbild erkennen, dass leider über die Jahrhunderte vom Original bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Die Dialoge werden von verschiedenen Tonzuspielungen wie Schlägen, Schüssen oder Trinkgeräuschen untermalt. Dazu kommt auch, dass drei Szenen im Zeitraffer, also quasi in Zeitlupe, gespielt werden, sodass das Ganze in Verbindung mit dem schrägen Bühnenbild einem gespielten Comic-Strip mit echten Menschen schon sehr nahe kommt.

Doch am meisten gefallen heuer die spielfreudigen Darsteller, die sich an Brillanz gegenseitig hochschaukeln und derart abgestimmt und homogen rüberkommen, sodass jedes Wort, jeder Ton und vor allem jede Mimik punktgenau sitzen. Allen voran Intendant Christian Dolezal, der wohl ein Jahr lang in der Rolle war, ähnelt doch der heurige Angelo dem Malvolio des Vorjahres. Und immer noch hat er es in Liebesangelegenheiten nicht leicht! Sprachlich völlig konträr laufen Angelika Niedetzky als Madame Angelique Brunsback-Futschnigg und Doris Hindinger als Pompejus zur Höchstform auf. Gewaltige Wortkaskaden zu bewältigen haben auch die bezaubernde Charlotte Krenz als betrogene Isabella und ihre geschwängerte Schwester Julia, gespielt von Claudia Kainberger. Als gewiefter Winkeladvokat und Erzähler Ellbogen überzeugt Boris Popovic. Egal ob am Galgen baumelnd (Roman Blumenschein als Claudio) oder als Vermittler (Josef Ellers als Lucio) - die beiden glänzen als Kleinganoven. Fast schon zu schusselig und aufgedreht ist Florian Carove, der letztendlich als Bürgermeister doch wieder das Zepter in die Hand nimmt. Den Erzähler und gefolgsamen Diener gibt Hannes Gastinger als Escalus. Das Duo der Magic Music Makers bilden Stefan Lasko und Stefan Galler. In weiteren Rollen zu sehen sind Pia Stubauer, Theresa Edelmayer, Fabian Fischer, Marcel Steinkellner und Gloria Amesbauer sowie Hündin Maia als Rantamplan in einer tragenden Gastrolle.

Gespielt wird noch bis zum 10. August jeweils um 20:15 h am Haager Hauptplatz. Infos zum Rahmenprogramm sowie zum Vorverkauf gibt’s unter www.theatersommer.at.

Didi Rath

Theatersommer Haag


Höllriglstraße 2,
3350 Haag