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26.08

Amstetten | Der Wasserturm - ein Amstettner Wahrzeichen



Das Wahrzeichen der Eisenbahnerstadt Amstetten wurde 1908 als viergeschossiger, polygonaler Rohziegelbau mit Pilastergliederung fertiggestellt und steht österreichweit als eines der letzten Beispiele für die ihr eigene K.u.K. Architektur nunmehr auch unter Denkmalschutz. Auf guten Fundamenten stehend und mit widerstandsfähigen Klinkerziegeln ausgeführt, überstand der Wasserturm bisher nicht nur mehr als ein Jahrhundert, sondern nahezu unbeschadet die schweren Luftangriffe 1945.

Er diente mehrere Jahrzehnte als Hochreservoir-Anlage für die Wasserstation Amstetten. Bis zum Dachvorsprung weist er eine Höhe von 18 m und einen Dachaufbau von 5,50 m auf. In der 3. Geschoßebene wurden die beiden kesselförmigen Wasserbehälter situiert. Jeder einzelne Wasserbehälter besitzt einen Durchmesser von 6,60 m und eine mittlere Tiefe von 5,50 m. Ein aufgefüllter Behälter verfügte durchschnittlich über eine Wassermenge von rd. 40.000 Liter. Eine Wasserstation bestand im Prinzip aus einem oder mehreren (im Winter beheizten) Hochbehältern in einem Turm. Das Wasser wurde aus Brunnen (oder aus einem öffentlichen Wassernetz) hoch gepumpt und floss durch die Schwerkraft von den Behältern über ein Netz von Rohrleitungen mit größeren Durchmessern zu den neben den Gleisen in den Bahnhöfen und in den Heizhäusern errichteten Wasserkränen.

Die Dampflokomotive Nr. 310.23 (spätere Reihe 16) besaß z.B. einen Schlepp-Tender für 9 Tonnen Kohle und einen Tank für 21 Kubikmeter Wasser. Mit der Kohlenmenge von 9 t konnten von Wien bis Salzburg (bei einem Verbrauch von rd. 6 t) durchgefahren werden. Wasser musste auf dieser Strecke jedoch mindestens einmal dazwischen (bei den Aufenthalten in Amstetten bzw. Linz) aufgenommen werden. Später wurden die "Dampfer" von E-Lokomotiven abgelöst.

Quelle u. Skizze: Archiv der Stadtgemeinde Amstetten

Dieses einzigartige Industriebaudenkmal könnte vielleicht im Rahmen der Quartiersentwicklung, der geplanten NÖ Landesausstellung 2026 oder der Vision 2030 aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Danke an Eigentümer Franz Sperl für die exklusiven Einblicke.

Didi Rath

 
Published: 26.08.2018 - 13.30